Begleit- und Folgeprobleme einer Dyskalkulie
Durch unzureichende Berücksichtigung der Lernstörung im schulischen
Unterricht und den sich daraus ergebenden wiederholten Misserfolgserlebnissen
entwickeln die betroffenen Kinder sehr schnell behandlungsbedürftige
seelische oder psychosomatische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten.
Die Kinder leiden darunter, die Leistungserwartungen der Schule, der
Eltern oder auch ihre Erwartungen an sich selbst nicht oder nicht ausreichend
erfüllen zu können.
Häufig erfahren sie von Lehrern, Mitschülern oder ihrer Familie
Vorwürfe oder Schuldzuweisungen für ihr schulisches Versagen
("zu dumm", "zu faul"). Beide Vorwürfe sind falsch:
Rechenschwache Kinder sind normal oder sogar überdurchschnittlich
begabt (Intelligenzminderung ist nach der Definition des ICD 10-Katalogs
als Ursache ausgeschlossen!). Dyskalkulie lässt sich durch Üben
nicht bessern, solange dem betroffenen Kind das Verständnis für
die mathematischen Größen und Rechenoperationen fehlt.
Durch die schulischen Misserfolge leidet das Selbstwertgefühl der
betroffenen Kinder. Die Gefahr besteht, dass sie sich selbst nichts mehr
zutrauen. Die Mathematik droht zum "Horrorfach" zu werden, das
sie "nie verstehen" werden. Betroffene Kinder brauchen dringend
Erfolgserlebnisse, um ihren Mut zum Lernen wieder zu gewinnen.
Der schulische Leidensdruck wird oft zusätzlich verstärkt durch
Ausgrenzung von Seiten der Mitschüler oder Bloßstellung durch
Lehrkräfte und erreicht dann ein Ausmaß, das zu ernsten seelischen
Störungen oder psychosomatischen Krankheiten und einem Schulversagen
in allen Fächern führen kann.
Unter diesen Bedingungen und bei fehlendem Nachteilsausgleich in der
Schule kann ein großer Teil der rechenschwachen Kinder keine ihrer
Begabung adäquate Schullaufbahn wählen, sondern wird Schularten
zugewiesen, in denen sie eigentlich unterfordert sind.
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