Legasthenie und Dyskalkulie frühzeitig erkennen

Pressemitteilung des BVL vom 08. Juni 2022

In jeder Schulklasse befinden sich im Durchschnitt 2 Kinder mit einer Legasthenie und 2 Kinder mit einer Dyskalkulie. Viele Schülerinnen und Schüler schaffen es zu Beginn der Grundschulzeit durch Auswendiglernen und andere Strategien, ihre Probleme im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu verstecken. Oftmals ist es ihnen selber gar nicht bewusst, dass sie mehr Zeit investieren müssen, um in der Schule mitzukommen, denn sie wissen ja nicht, wie es ihnen ohne ihre Legasthenie oder Dyskalkulie ergehen würde. Umso wichtiger ist es, dass in der Schule Rahmenbedingungen geschaffen werden, diese Kinder rechtzeitig zu erkennen und zu fördern.

„Der BVL plädiert dafür, bereits in der 1. und 2. Klasse standardisierte Lese-, Rechtschreib- und Rechen-Tests für alle Kinder einzusetzen, die auf die Klassenstufe und das Alter normiert wurden, um so auch Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu identifizieren, die vielleicht in der Klasse nicht auffallen“, sagt Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL. „Als Lehrerin an einer weiterführenden Schule bin ich immer wieder überrascht, dass Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie in der Grundschule nicht erkannt wurden“, bedauert Scherle.

Da das Leistungsniveau in jeder Klasse unterschiedlich ist und durch die Pandemie einige Kinder den Lernstoff nicht ausreichend aufarbeiten konnten, werden z. B. gut begabte Kinder mit einer Legasthenie in einer leistungsschwachen Klasse nicht auffällig, wenn viele Kinder in der Klasse Probleme mit dem Lesen oder Rechtschreiben haben. Umso wichtiger ist es, wenn sich die Leistungen im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen nicht verbessern, ein Elterngespräch zu führen und die Eltern zu bitten, eine außerschulische Diagnostik durchführen zu lassen. Kinder- und Jugendpsychiater oder auch Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) verfügen über die fachliche Kompetenz und genormte Testmanuale, eine Lese-/Rechtschreibstörung oder Rechenstörung mittels einer multiaxialen Diagnostik festzustellen und Empfehlungen für eine Therapie zu geben.

„Es zeigt sich immer wieder, wie wichtig eine frühzeitige Diagnostik ist, um die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Kindern bleibt so viel Leid erspart, wenn man die Ursache für ihre Lernschwierigkeiten kennt und ihnen so auch gezielt helfen kann“, sagt Tanja Scherle. Wichtig ist bei diesen Schülerinnen und Schülern eine individuelle Förderung mit gut evaluierten Förderansätzen. Oftmals ist auch eine Einzelförderung notwendig, wenn ein Kind mit einer Dyskalkulie noch gar kein Verständnis für Mengen und Zahlen hat. Rechenoperationen können dann noch nicht durchgeführt werden und auch eine Stoffwiederholung ist wenig hilfreich.

Wichtige Hinweise für eine gute Förderung finden sich in den S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung der Lese-/Rechtschreibstörung oder Rechenstörung. Der BVL berät Lehrkräfte und Eltern zu allen Fragestellungen zur Legasthenie und Dyskalkulie und Hilfen in der Schule. Ebenso stehen Ratgeber für Lehrkräfte bereit, die ganz gezielt auf die schulischen Herausforderungen eingehen.

Weitere Informationen zur Legasthenie und zur Dyskalkulie sind im Internet unter http://www.bvl-legasthenie.de abrufbar.


Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie Baden-Württemberg e.V.