Verbands-Geschichte

Viele Jahre hindurch wurden Kinder mit Legasthenie in Sonderschulen eingewiesen. Eine große Unsicherheit wie diese Kinder zu beschulen sind, war der Grund. Denn wer nicht richtig schreiben und lesen kann, galt als dumm oder faul. So war die Einstellung in Schulen, bei manchem Lehrherren, aber auch in der Gesellschaft. Mitunter hören wir diese Vorurteile heute noch, obwohl viele der betroffenen Schüler*innen ganz besondere Fähigkeiten in technisch-mathematischen, künstlerischen oder auch literarischen Bereichen haben.
Eltern und Lehrer*innen, besonders die Sonderpädagog*innen sahen, dass diese Kinder in der Sonderschule verkümmerten, weil ihre Störung nicht ausreichend gefördert wurde und ihre intellektuellen Fähigkeiten keine Beachtung fanden.

So entstanden in den 60er Jahren in Stuttgart, später in Karlsruhe und Freiburg, Legastheniker-Klassen. Damals gehörten sie noch in den Sonderschulbereich für Lernbehinderte. 

1973 wurden erste Richtlinien für den Unterricht und die Förderung von Schüler*innen mit Legasthenie entwickelt. Es wurden 60 Multiplikator*innen ausgebildet, die ihrerseits Grund- und Hauptschullehrer*innen fortzubilden hatten.

Unsere 1. Vorsitzende Ina-Maria Lienhart erhielt 2019 das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ihr Engagement. Foto: Michael von Lingen

Es war an der Zeit Kräfte zu bündeln, um keinen Schaden für die Kinder entstehen zu lassen. Unter dem Dach des seit 1974 bestehenden Bundesverbandes wurde der Kreisverband Legasthenie Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald 1977 gegründet. 1981 entstand der Landesverband Legasthenie, um möglichst vielen Betroffenen in ganz Baden-Württemberg helfen zu können. Engagierte Eltern gründeten überall dort, wo die Not und Unkenntnis besonders groß war, Arbeitskreise und Kreisverbände und stellten sich mit ihren Erfahrungen vor Ort als Berater*innen zur Verfügung. 2002 wurde die Dyskalkulie in unsere Satzung und in unsere Aufgabenstellung mit aufgenommen. Ziel des Verbandes war und ist bis heute die schulische Situation der Schüler*innen mit Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und oder Rechnen zu verbessern und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Drei Landesverbandsbroschüren entstanden, die die schulrechtliche und die sozialrechtliche Situation erläutern. Viele Papiere, z.B. zu der leider oft falsch verstandenen Verwaltungsvorschrift von 2008 sowie Wegweiser für Eltern und Lehrer*innen wurden entwickelt.

Oft müssen wir gegen den Strom schwimmen, gegen Vorurteile ankämpfen, für die Rechte der Betroffenen einstehen, Eltern Ängste nehmen und Hindernisse überwinden, um Menschen mit Legasthenie oder Dyskalkulie eine Zukunft zu eröffnen.

1974

Gründung des Bundesverbandes für Legasthenie

1977

Gründung des Kreisverbandes Legasthenie Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald 

1978

Erster Kontakt mit dem damaligen Kultusminister Prof. Dr. Roman Herzog

Inhalte: Fördermaßnahmen über die 6. Klasse hinaus, stärkere Berücksichtigung der mündlichen Leistung und keine Benachteiligung durch schlechte Rechtschreibbenotung, um Übergänge an weiterführende Schulen zu ermöglichen.

1981

Gründung des Landesverbandes Legasthenie Baden-Württemberg

1985

Landesverband überreicht dem Kultusminister eine umfassenden Dokumentation zu den traurigen Schullaufbahnen von 14 betroffenen Schüler*innen

seit 1988

Mitarbeit an der Gestaltung der Richtlinien; 
Erstellung von drei Broschüren zur landesweiten Verteilung an Schulen; Mitwirkung in Arbeitsgruppen im Kultusministerium wie “Grundschule der Zukunft”, “Schulanfang auf neuen Wegen”, “ Frühes Fremdsprachenlernen”

Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie Baden-Württemberg e.V.