Unterstützung durch die Eltern

Die wichtigste Unterstützung, die Eltern Ihrem Kind geben können, ist Verständnis für seine Schwierigkeiten, Vertrauen in seine Fähigkeiten, sowie Geborgenheit und Trost, wenn es schulische Misserfolge verarbeiten muss.

Schimpfen Sie nicht über schlechte Leistungen, machen Sie ihm keine Vorwürfe, verzichten Sie auf Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern. Versuchen Sie sich in seine Lage hinein zu versetzen. Glauben Sie ihm, dass es manche scheinbar einfachen Anforderungen nur mit Mühe erfüllen kann.

Vertreten Sie die Interessen Ihres Kindes in der Schule. Suchen Sie seine Lehrer*innen auf. Sprechen Sie mit ihnen über die individuellen Probleme ihres Kindes. Bitten Sie um Verständnis und um eine angemessene Berücksichtigung seiner Problematik. 

Zeigen Sie auch die Kompetenzen und Stärken Ihres Kindes auf. Helfen Sie den Lehrkräften ihre Einschätzung zu korrigieren, Ihr Kind nicht nur als „Problemfall“ zu sehen.

Informieren Sie sich über die aktuell geltenden schulrechtlichen Vorschriften und schulischen Hilfen. Der Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. hilft Ihnen gerne weiter. Fragen Sie die Lehrer*innen, ob die schulrechtlichen Vorschriften bei Ihrem Kind angewendet werden.

Achten Sie darauf, dass aus den Hausaufgaben keine Marathon-Sitzungen werden. Legen Sie lieber eine Pause ein oder brechen Sie ab und schreiben Sie eine Notiz an die Lehrkraft. Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre beim Lernen. Hören Sie auf, wenn die Konzentration des Kindes deutlich nachlässt. Quälen Sie Ihr Kind nicht mit sinnlosem Üben. Legastheniker*innen lernen die Rechtschreibung nicht durch Diktatübungen.

Helfen sie Ihrem Kind bei der Organisation seiner schulischen Aufgaben. Machen Sie mit ihm einen Zeitplan. Wann sollte es mit den Hausaufgaben beginnen?  Sorgen Sie dafür, dass dieser Plan eingehalten wird. Überlegen Sie mit Ihrem Kind auch gemeinsam eine sinnvolle Reihenfolge der Aufgaben.  Bewährt hat sich z.B. die folgende Reihenfolge: Zuerst etwas Einfaches, das schnell erledigt ist. Das gibt das gute Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Dann kommt ein „dicker Brocken“ und zum Schluss wieder eine einfachere Aufgabe, die man auch noch machen kann, wenn die Konzentration etwas nachlässt.

Machen Sie mit Ihrem Kind Spiele, die ihm Spaß machen und seine Konzentration, seinen Wortschatz, sein Gefühl für Sprache (Rhythmus, Reime, Silben…) stärken und vielleicht auch Schreibweisen von Wörtern trainieren, z.B. „Galgenmännchen“, „Scrabble“, „Wörter raten“, „Reime bilden“…usw.

Eine systematische Förderung durch die Eltern ist jedoch nur ausnahmsweise sinnvoll. In der Regel sollten Sie das Fachkräften außerhalb der Familie überlassen.

Sprechen Sie mit den Lehrer*innen über die individuellen Probleme Ihres Kindes, bitten Sie um Verständnis und um eine angemessene Berücksichtigung seiner Problematik im Unterricht. Zeigen Sie auch seine Kompetenzen und Stärken auf. Auch die Klasse sollte über die Teilleistungsproblematik  informiert werden, damit Mitschüler*innen lernen, mit der Problematik des betroffenen Kindes umzugehen.

Für viele Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung oder Rechenstörung ist es eine Qual, vorlesen oder vorrechnen zu müssen, erst recht, wenn sie von Mitschüler*innen ausgelacht werden. Auch viele Korrekturen mit Rotstift treiben die betroffenen Kinder nur stärker in die Misserfolgserfahrungen hinein. Wenn ein Kind von Lehrern*innen und Schülern*innen erst als „dumm“ eingestuft wird, ist ihm die Außenseiterrolle sicher.

Wichtig für das Selbstwertgefühl Ihres Kindes ist auch, dass es lernt, offen zu seiner Problematik zu stehen: „Ich habe nur eine Legasthenie/Dyskalkulie und deshalb Schwierigkeiten im Lesen/Schreiben/Rechnen, aber ansonsten bin ich genauso leistungsfähig wie andere Schüler*innen.“

Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie Baden-Württemberg e.V.