Leitfaden für ein Lehrergespräch

Vorbereitung

Vor einem Gespräch in der Schule sollte immer die Diagnose durch eine außenstehende Fachkraft stehen.
Die Eltern sollten sich vor dem Gespräch in das Thema einarbeiten, sich Grundkenntnisse über Legasthenie/Dyskalkulie und die schulischen und außerschulischen Hilfemöglichkeiten verschaffen, z. B. beim Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. Sie sollten die entsprechenden schulrechtlichen Vorschriften kennen. Welche Förderung und Ausgleichsmaßnahmen sind möglich? Sind sie für die Lehrkräfte verpflichtend oder liegen sie in ihrem Ermessen?
Überlegen Sie in Ruhe, was das Beste für Ihr Kind ist. Versuchen Sie sich dabei nur an den Fähigkeiten und der Persönlichkeit Ihres Kindes zu orientieren, und stellen Sie Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen zurück.
Was möchte ich in dem Gespräch erreichen? Was sind meine Wünsche und Erwartungen an den/die Lehrer*in? Überlegen Sie sich auch, welche Erfahrungen Ihr Kind bisher in der Schule mit den Lehrkräften und im Klassenverband gemacht hat. Wurde von der Schule auf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, wurde eine Diagnostik empfohlen? Welche positiven Maßnahmen wurden in der Schule bereits umgesetzt?

Machen Sie sich Notizen zu den wichtigsten Punkten, das gibt Ihnen Sicherheit. Wenn Sie sehr unsicher sind, überlegen Sie, wer Sie bei dem Gespräch begleiten könnte.

Ein wichtiges Gespräch sollte nicht am Telefon stattfinden, auch wenn Lehrer*innen wenig Zeit haben. Deshalb sollten Sie sich am Telefon so kurz wie möglich fassen und nur freundlich um einen Gesprächstermin bitten.

Das Gespräch selbst

Versuchen Sie am Anfang des Gesprächs einen guten Kontakt zur Lehrkraft herzustellen. Es ist immer gut einem/einer Gesprächspartner*in mit Respekt, Achtung und Offenheit zu begegnen.
Fragen Sie die Fachkompetenz des/der Lehrers*in an und bitten Sie ihn/sie um seine/ihre Hilfe und Unterstützung. Denken Sie an Ihre gemeinsame Erziehungsverantwortung. Tauschen Sie Ihre verschiedenen Sichtweisen aus. Seien Sie auch offen für die Ansichten des/der Lehrers*in. Suchen Sie die Kooperation und vermeiden Sie die Konfrontation. Entwickeln Sie eine gemeinsame Lösung.
Als Interessenvertreter*in des Kindes, sollten Sie Ihr Anliegen klar und eindeutig vorbringen und dabei ruhig und sachlich argumentieren. Tragen Sie positiv Ihre Wünsche und Ihr Anliegen vor. Vermeiden Sie Vorwürfe, Anschuldigungen und insbesondere Kritik am Unterricht und der Fachkompetenz der Lehrkraft, denn aggressive Äußerungen bewirken häufig nur den Rückzug eines/einer Gesprächspartners*in. Denken Sie an die Lehrer-Kind-Beziehung, Ihr Kind wird mit dem/der Lehrer*in noch einige Zeit verbringen.

Zeigen Sie sich informiert, aber nicht besserwissend. Vermeiden Sie Belehrungen. Wenn der*die Lehrer*in es wünscht, bieten Sie ihm*ihr Informationshilfen an.

Berufen Sie sich auf die fachärztliche Stellungnahme als Außensicht, denn damit holen Sie einen „neutralen Dritten“ in das Gespräch.
Informieren Sie den/die Lehrer*in über die individuellen Probleme Ihres Kindes aus Elternsicht. Zeigen Sie dabei Ihre Betroffenheit und Sorge. Bitten Sie um Verständnis und um eine angemessene Berücksichtigung seiner Problematik im Unterricht.
Zeigen Sie auch die Kompetenzen und Stärken Ihres Kindes auf, auch gerade die, die die Lehrkraft nicht kennt. Helfen Sie der Lehrkraft ihre bisherige Einschätzung zu korrigieren, Ihr Kind nicht nur als „Problemfall“, sondern mit seiner ganzen Persönlichkeit mit seiner Problematik, aber auch mit seinen Stärken und Fähigkeiten zu sehen.
Reden Sie nicht allein und zu viel, lassen Sie den/die Lehrer*in auch zu Wort kommen, um seine Position darzustellen zu können.

Wenn Sie mit dem Gespräch zufrieden sind, bringen Sie das zum Ausdruck und bauen Sie auf weitere gute Kooperation. Falls Sie nicht zufrieden sind, lassen Sie es nicht zu einem Eklat kommen, sondern überlegen Sie nach dem Gespräch in Ruhe die weiteren Schritte.

Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie Baden-Württemberg e.V.