Erscheinungsbild einer Dyskalkulie

Woran kann ich erkennen, ob mein Kind eine Dyskalkulie hat?

Laien können nicht eindeutig feststellen, ob ein Kind eine Dyskalkulie hat. Sie können aber auf Anzeichen achten. Wenn Ihr Kind nach diesem Anzeichenkatalog auffällig ist, sollten Sie eine medizinische Fachdiagnostik durchführen lassen.

Bei Schülern/innen mit einer Rechenstörung/Dyskalkulie ist die Rechenleistung deutlich schlechter als die der Klassenkameraden*innen. Eine Dyskalkulie/Rechenstörung wird häufig schon in der ersten Grundschulklasse offensichtlich, wenn die Kinder im Zahlenraum über 10 rechnen müssen. Kennzeichnend sind grundlegende Störungen im Verständnis von Mengen und Zahlen.

Betroffen sind das Erfassen und Vergleichen von Mengen (mehr/weniger) und Zahlen (größer/kleiner), das Benennen und Aufschreiben von Zahlen, die Fähigkeit, richtig zu zählen sowie das Verständnis für Zahlenoperationen. Selbst bei einfachen Rechenaufgaben zeigen Kinder mit einer Rechenstörung große Schwierigkeiten. Häufig können sie sich vom Rechnen mit den Fingern nicht lösen und verbleiben beim wesentlich zeitaufwendigeren zählenden Rechnen. In den anderen Fächern können dagegen gute bis sehr gute Leistungen erbracht werden.

Hinweise auf Rechenschwierigkeiten nach Jacobs-Petermann sind u.a.:

Fehlendes Mengen- und Größenverständnis

  • Zahlen und Ziffern kann keine Menge zugeordnet werden.
  • Abschätzen von Größen und Mengen gelingt nicht.
  • Überschlagen von Rechnungen gelingt nicht.

Übersetzungsfehler

  • Lautgetreues Schreiben oder Lesen
  • Verdrehen der Zahlen

 

Zählfehler

  • Abzählen von Gegenständen gelingt nicht.
  • Zählendes Rechnen (meistens mit den Fingern)
  • Gliederungsmöglichkeiten im Zahlenbereich bis 10 sind nicht automatisiert.
  • Der Zehnerübergang fällt schwer.
  • Beim Vorwärtszählen werden Zahlen übersprungen.
  • Beim Rückwärtszählen wird ins Vorwärtszählen gewechselt, Einer und Zehner werden ausgelassen.
  • Zählen in größeren Schritten misslingt.

Rechenfehler

  • Zahlendreher sind häufig.
  • Vertauschen von Rechenzeichen
  • Fehler im Umgang mit der Null
  • Vertauschen von Rechenoperationen
  • Schwierigkeiten bei Zehnerüberschreitung bzw. Unterschreitung
  • Verwechseln von Rechenzeichen
  • Rechenfehler werden nicht erkannt.
  • Umgang mit der Uhr und mit Geld fällt schwer.

Fehlendes Verständnis für den Stellenwertplan, Einer, Zehner, Hunderter

Eine Rechenstörung/Dyskalkulie wächst sich nicht aus.

Ohne Behandlung nehmen die Probleme häufig sogar zu. Nicht selten kommt es bei diesen Schülern*innen zu psychischen Folgeproblemen, wie Schulangst, psychogenen Bauchschmerzen oder Depressionen. Um bleibende seelische und soziale Beeinträchtigungen zu vermeiden, brauchen die betroffenen Kinder häusliche und schulische Unterstützung sowie spezielle Förderung. Allerdings ist selbst bei einer qualifizierten Förderung über längere Zeit hinweg deren Erfolg erst nach frühestens zwei Jahren erkennbar.

Die Lücken im Wissenserwerb und seelischen Belastungen infolge einer nicht erkannten oder unbehandelten Teilleistungsstörung können die Bildungs- und Berufschancen und die persönliche Lebenserfüllung des betroffenen Menschen dramatisch einschränken.

Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie Baden-Württemberg e.V.